Touch me!
Beschichtete Gewebe, die selbst Strom produzieren, Textilien, die „atmen“ und bei Berührung leicht pulsieren, eine Gebäudehülle aus Stoff, die auf Einflüsse aus ihrer Umwelt reagiert. Zunehmend rücken neue Materialien in den Fokus, die tradierte und digitale Eigenschaften miteinander verbinden. Wie verändert sich dadurch die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen und im Raum (inter)agieren? Welche Möglichkeiten eröffnen sich für Architekten, wenn Informationen auf sinnlichem Weg direkt über Materialien vermittelt werden können, jenseits von Bedienpanels, Knöpfen und Tastatur? Und was wäre, wenn irgendwann durch synthetische Biologie Eigenschaften von Materialien direkt im genetischen Code von Pflanzen „programmiert“ werden könnten? Was davon ist heute (noch) utopisch, was kurz vor der Markteinführung?
In Impulsvorträgen und Gespräch widmen sich diesen Fragen die Londoner Textilforscherin und Designerin Carole Collet, die mit der Übertragung biologischer Prinzipien auf das Textildesign experimentiert, die Berliner Materialexpertin Christiane Sauer sowie Josef Roschitz, einer der Partner des österreichischen Architekturbüros SPLITTERWERK, der mit „Smart Treefrog“ ein Wohnhaus mit einer Bioreaktorenfassade entwickelt hat und so Algen zur Energieerzeugung nutzen will.
Begrüßung: Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum, Moderation: Nadin Heinich, plan A
Der Abend ist Teil des Projektes „Digital Utopia“, das sich dem Einfluss digitaler Technologien auf den Raum widmet und eine Ende des Jahres erscheinende Publikation (Verlag Akademie der Künste, Berlin) sowie eine Veranstaltungsreihe in mehreren deutschen Städten umfasst.
ORT & ZEIT
Deutsches Architekturmuseum DAM
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main
KOOPERATIONEN
Der Abend ist eine Kooperation zwischen dem Deutschen Architekturmuseum und der Architekturplattform plan A. Unterstützt wird der Abend durch die Unternehmenspartner Dornbracht, Gira und Miele.
ÜBER DIE REFERENTEN
Die Londoner Textildesignerin Carole Collet ist Leiterin des Master-Studienganges „Textile Futures“ und Forscherin am Central Saint Martins College (London). Seit mehr als zehn Jahren forscht sie zur Zukunft des Textilen im Zusammenhang mit neuen Technologien. Während Collet in früheren Arbeiten noch auf integrierte computergesteuerte Komponenten zurückgriff, um „poetische Stoffe für smarte Häuser“ zu schaffen, hat sich ihr Forschungsschwerpunkt in den vergangenen vier Jahren auf synthetische Biologie und Bionik verlagert. Könnte die synthetische Biologie, also das künstliche Erzeugen von biologischen Systemen, die neue Formel für nachhaltige Textilien sein? Werden Wissenschaftler dann zu Designern? Wie würde sich eine solche Art der Textilherstellung auf die Architektur auswirken? Ihre Arbeiten wurden u. a. im Science Museum, London, im Institute of Contemporary Arts and St James’s Park (ICA), London, und im Victoria & Albert Museum ausgestellt. Sie war zudem Projektleiterin des Forschungs- und Ausstellungsprojektes „Nobel Textiles“, bei dem fünf führende Textil- und Modedesigner gemeinsam mit Nobelpreisträgern der Naturwissenschaften neue Textilien entwickelten. www.carolecollet.com www.textilefutures.co.uk
Christiane Sauer ist Materialexpertin. Sie interessiert sich dafür, „wie Dinge gemacht sind“ und widmet sich der immer komplexeren Materialvielfalt in Architektur und Design. Nach dem Studium an der UdK Berlin arbeitete sie an verschiedenen Projekten internationaler Architekturbüros, u. a. dem Prada Store von OMA in New York. 2001 gründete sie ihre Firma Formade für entwurfsspezifische Materialforschung. Seitdem berät sie Architekturbüros sowie zunehmend Hersteller zu allen materialspezifischen Fragen. Dabei erforscht und entdeckt sie immer wieder neue, ungewöhnliche, im Architekturbereich bislang wenig bekannte Werkstoffe und Produkte. www.formade.com
Die Mitglieder von Splitterwerk verstehen sich weniger als klassisches Architekturbüro, denn als wechselnde Forschungs- und Ausführungsteams innerhalb eines Labels. Seit ihrer Gründung Ende der 80er Jahre arbeiten sie transdisziplinär an Projekten zwischen Malerei, Installation, Baukunst und neuen Medien, die sich in exemplarischer Weise mit der zunehmenden Verschränkung von gebauten und medialen Räumen befassen. Insbesondere interessiert sie die Erforschung von experimentellen Oberflächen, von Beschichtungen und Reliefs aus computergenerierten Mustern, von elektronisch gesteuerten Projektionen oder selbstleuchtenden Oberflächen, bis hin zur aus Algen bestehenden Bioreaktorenfassade. Bekannt wurde das in Graz ansässige Studio u. a. mit dem Mehrfamilienhaus „Black Treefrog“ in Bad Waltersdorf oder der Firmenzentrale „Frog Queen“ in Graz. Splitterwerk ist an der IBA Hamburg (2009-2013) beteiligt, war Österreichischer Vertreter auf der Architekturbiennale in Sao Paulo (2005) und wurde bisher u. a. mit dem Österreichische Staatspreis und dem Österreichische Bauherrenpreis ausgezeichnet. www.splitterwerk.at

