Essay & Reportage

High Line Expectations

High Line, New York, Anfang Oktober, 19 Uhr abends. Sechs Tage lang kommen 1.000 Sänger aus der ganzen Stadt zusammen, um „The Mile-Long Opera: a biography of 7 o’clock“, eine Performance entlang der ehemaligen Güterzugtrasse im Westen Manhattans, aufzuführen. Es ist ein sehr beeindruckendes, berührendes Erlebnis, die High Line an einem dieser Abende entlangzulaufen. Die Sänger überlagern sich mit der Stadt, singen nicht gegen sie an, klingen mal leise, mal mit großer Intensität. Manchmal streift man sie fast beim Vorübergehen, manchmal dringt der Gesang von unten durch den Gitterboden, über den man gerade läuft. Am Eingang lange Warteschlagen, die Tickets waren in kürzester Zeit ausverkauft.

Konzipiert hat The Mile-Long Opera die Architektin Elizabeth Diller zusammen mit dem Komponisten David Lang. Diller, die 1981 gemeinsam mit Ricardo Scofidio ihr Büro gründete – inzwischen Diller Scofidio + Renfro – ist eine der einflussreichsten und klügsten Architektinnen unserer Zeit. Bekannt ist sie neben der Umwandlung der High Line in den inzwischen weltbekannten Park vor allem für Museums- und Kulturbauten wie The Broad, Los Angeles, das Blur Building auf dem Neuenburgersee anlässlich der EXPO 2002 oder The Shed, eine neue Kulturinstitution, die im Frühjahr 2019 in New York eröffnet wird. Im Interview ist sie sehr freundlich, zugleich bestimmt und ohne jegliche Allüren.

High Line Expectations

8.10.2018

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